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Von Schenkzwang und Almbutter

Von Schenkzwang und Almbutter

Anfang Juli war ich drei Tage mit meinem Bruder und meinem Vater in den Bergen.

Nein, nicht um Butter herzustellen.

Für diese Geschichte muss ich ein bisschen ausholen, denn diese Story fängt beim Schenken an. Ihr kennt das doch sicher alle …. der Geburtstag eines Verwandten oder Freundes naht und man hat nicht den blassesten Schimmer, was man dieser Person schenken soll. Leider unterliegt man in den meisten Fällen dem gesellschaftlichen Druck etwas schenken zu müssen. Es gehört sich halt einfach.

Jetzt ist es aber auch in den meisten Fällen so, und das ist auch wieder gesellschaftlich begründet, dass jeder einzelne von uns Mittel- oder Oberschichtlern bereits alles besitzt, was er braucht. Da wir uns jederzeit alles kaufen können, was wir gerade so brauchen oder auch nicht, es uns aber ohnehin trotzdem kaufen, stehen die Schenkenden vor dem nicht unerheblichen Problem der Ahnungslosigkeit.

Da diese Situation bei mir ja recht oft vorkommt, würde man glauben, ich hätte begriffen, dass eine gute Lösung für dieses Problem wäre, früh genug mit der Recherche nach dem passenden Geschenk zu beginnen. Denkste! Nicht mit mir!

Meine Lösung: notorisches Zuspätschenken.

Notorisches Zuspätschenken, auch Notfallgeschenksyndrom genannt, ist ein Phänomen, dass in unserer Gesellschaft recht häufig vorkommt. Bei diesem Phänomen handelt es sich um eine Art Verdrängung, bei der der Betroffene den herannahenden Geburtstag einer Person so lange verdrängt, bis nur noch ein oder zwei Tage verbleiben um ein Geschenk zu besorgen und dieses zu verschicken. Das Syndrom zeigt sich darin, dass der zu Beschenkende erst Tage nach seinem Geburtstag ein Geschenk bekommt.

Jetzt ist es natürlich nicht hilfreich, dass ich der Überzeugung bin, dass ich die besten Ideen habe, wenn ich unter Zeitdruck stehe.

Aber ich will jetzt hier nicht zu sehr abschweifen.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte, ist, dass in meiner Familie so ziemlich keiner weiß, was er dem Anderen schenken soll und es

besonders schwer ist, wenn wir unserem Vater etwas schenken möchten. Weshalb er sich für seinen letzten

Geburtstag ein Wochenende

auf der Alm mit meinem Bruder und mir gewünscht hat.

Und genau das hat er bekommen. Ein Wochenende auf der Auen-Alpe, auf die er uns als Kinder im Sommer immer zwei Wochen zum Zelten mitgenommen hat, inklusive Grillabend, eine Tageswanderung auf die Winterstaude und einen Kässpätzle-Abend mit reichlich Schnaps (für mich zumindest, da mein Bruder und mein Vater keinen Schnaps trinken).

Da ich von meinen Vorarlbergbesuchen meistens Unmengen an Käse und Speck mitnehme, die ich dann einfrieren muss und unser Tiefkühlfach noch von unserem letzten Vorarlbergbesuch voll war, musste ich als alter Tetrisprofi erst alle möglichen Schlichtvarianten in meinem Kopf durchspielen, bevor ich mich dazu entschließen konnte, 4 Klötze Butter mitzunehmen.

 

Oh diese Butter!!!

 

Wer noch nie Almbutter gegessen hat, hat noch nie echte Butter gegessen! Allein der Geruch dieser wunderschönen, saftigen, mit einem Edelweiß verzierten Blöcke versetzt mich zurück in meine Kindheit als wir der Bäuerin beim Melken helfend, noch kuhwarme Milch direkt aus dem Melkeimer getrunken haben. Die Butter riecht nach Milch, nach Sahne, nach Kuh (nicht zu verwechseln mit Stallgeruch!), nach Heu und sie ist so saftig, dass beim Reinschneiden kleine Wassertropfen an der Oberfläche auftauchen.

Jeder, der einmal so eine Butter auf dem Brot hatte, wird mich verstehen. Vergiss die Supermarktbutter! Nicht einmal eine österreichische Biobutter aus dem Supermarkt kann geschmacklich einer Almbutter das Wasser reichen. Wie soll sie auch. Die Kühe auf der Alm sind den ganzen Sommer draußen und fressen was sie halt so auf den Weiden finden. Sie sind dem Wetter ausgesetzt und kommen nur zum Melken und über Nacht in den Stall. Zugefüttert bekommen sie nur das Stroh, das wiederum von den eigenen Weiden stammt.

Bio? Ist das Bio? Zertifikat hat die Bäuerin keins, aber das braucht sie ohnehin nur, wenn sie ihre Produkte in großem Stil verkaufen möchte. Doch hier läuft das noch so, wie vor hundert Jahren. Sie macht die Butter und den Käse, der Bauer eine Alpe weiter macht den Speck oder die Landjäger und wieder ein anderer hat Obstbäume. Für eine deftige Jause oder das Frühstück, das sie uns serviert hat, geht sie in ihren Erdkeller und holt, was sie sich dort zum Vorrat angelegt hat. Hausgemachten Ziegenkäse, schwarzgeräucherten Speck, Butter und selber gemachte Marmelade. Nur der Kaffee ist vom Supermarkt, das Brot und der Zopf vom Bäcker.

Hier scheint alles noch etwas langsamer und ursprünglicher abzulaufen als bei uns in der Großstadt und auch wenn das manche rückschrittlich und altmodisch nennen, finde ich, dass wir einiges davon lernen können und uns in manchen Dingen getrost alten Herangehensweisen und Traditionen besinnen können.

Früher war nicht alles besser, wie unsere Großeltern so oft zu sagen pflegen. Es war aber sicher auch nicht alles schlechter!

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